Samstag, 21. Oktober 2017

Ein kleiner Überblick der letzten Woche

Beginnen wir mit dem Wochenende.
Ich habe das Gefühl das meine Wochenenden hier immer verrückter werden. Vor kurzem habe ich einen netten jungen Mann auf einer Party kennen gelernt und mit dem hab ich mich dann Samstag getroffen, damit er mir bisschen die Gegen zeigt, das Reichen Viertel, wir wollten ins  Museum…
ja daraus wurde dann nichts. Er wollte unbedingt auf den Geburtstag von seinem Neffen, weil der den so lange nicht gesehen hat und hat mich dann einfach mitgeschleppt. :D
Kann man ja mal machen, ne Bekanntschaft von einer Party mit zu einer Familienfeier nehmen.
 War auf jeden Fall ein sehr interessantes Erlebnis. Ich wurde mit offenen Armen empfangen, alle haben sich voll gefreut und es gab soooooo viel gutes Essen! Ken dachte nur am Anfang das wir es nicht rechtzeitig zum Geburtstag schaffen, wenn wir vorher ins Museum fahren, hat sich aber herausgestellt das wirs locker geschafft hätten, weil wir die ersten paar Stunden hart auf dem Sofa rumgechillt haben. War aber auch ganz witzig. Das Geburtstagskind, der 2 jährige Nathan ist die ganze Zeit rumgerannt und war total begeistert von mir, naja ich seh ja schließlich auch anders aus, wie alle anderen. :D
Nach und nach kamen Familie und Freunde und dann ging das große Essen los. Ich muss sagen das Kenianische Essen schmeckt schon echt gut. Es gab Reis und Bohnen, vieeeeel Fleisch! Noch mehr Reis, grünen Kartoffelbrei (mit grünem Gemüse gemischt), Tschabati (sowas wie Wraps) Erbsen und noch mehr Gemüse. Irgendwann später hat die Schwester vom Ken angefangen alle vorzustellen und mich einfach als Ken´s Freundin vorgestellt… Das wurde sofort richtig gestellt, aber witzig wars schon.
Mein Plan an dem Tag war, wieder im Projekt zu sein, bevors dunkel wird… ihr könnt euch jetzt bestimmt denken wie das mal wieder ausgegangen ist… richtig! Abends gings in eine Bar zum Shisha rauchen, dann kurz zurück zu Ken’s Schwester zum Mitternachtssnack und dann ab zur Party. Morgens ein kurzer Powernap zur Stärkung und dann gings zurück. Da das mit den Matatus immer ewig lang dauert und ich etwas außerhalb der Stadt war, hab ich mir morgens um halb 10 noch eine ultra fettige Pizza gegönnt. Der Moment wo dir genau sowas einfach völlig egal ist was andere denken, ist der Moment wo man angekommen ist.( (Funny fact: ich war nicht mal die einzige :D)
Gegen 12 kam ich dann auch mal völlig zerstört im Projekt an. War aufjedenfall schon ziemlich witzig :D
Der Sonntag habe ich dann größtenteils mit Schlafen und Stricken ausklingen lassen, damit ich fit in die neue Woche starten kann.

Montagmorgen und das Chaos kehrt zurück. Der 20 Oktober ist ein Kenianischer Feiertag und die Schüler haben fleißig Lieder und ein Gedicht einstudiert um es an diesem Tag an einem Event hier in der Stadt vorzutragen. Dafür wurde dann hin und wieder der Unterricht morgens genutzt, aber nicht an allen Tagen. Die eine oder Mathe und Englisch Stunde konnte ich dann doch noch unterrichten und ich muss sagen das einige meiner Schüler richtige Fortschritte machen!
Ein Erfolgserlebnis hatte ich sogar, als ich Tagelang einem Schüler im Unterricht versucht habe Minusrechnen bei zu bringen, aber er es einfach nicht verstanden hat. An einem Nachmittag hab ich ihn mir geschnappt, weil er eh nichts zu tun hatte und im Arts & Craft Unterricht nur rumgesessen hätte und mit ihm intensiv daran an der Tafel gearbeitet bis er es verstanden hat und alle Aufgaben richtig waren. Das Strahlen in seinen Augen, als ich mich so gefreut hab war unbezahlbar!
Auch wenn alle Kids nachmittags Unterricht haben, sitzen ein paar meisten einfach nur rum weil sie nichts zu tun bekommen. Deswegen nehm ich mir dann immer 1 bis 2 Schüler raus und mache intensive 1 zu 1 Betreuung mit denen, eigentlich bräuchte das jeder Schüler hier, durch das fehlende Personal und auch die fehlende Qualifikation ist das leider nicht möglich.
Mit einer anderen Schülerin, Ruth übe ich zur Zeit laut und langsam sprechen. Sie ist ein unfassbar intelligentes Mädchen, durch eine Krankheit wurde aber ihr Gehirn befallen und seitdem ist sie vom Verstand her beeinträchtigt, sowie ihre Sprache und ihre Motorik. Sie spricht immer leise, schnell und wiederholt sich, sodass man sie kaum versteht. Durch gezieltes Sprachtraining in dem sie am Anfang nur Laute laut aussprechen muss, arbeiten wir darauf hin das sie selbstständig deutlich und langsam sprechen kann. Auch beim Schreiben hat sie Schwierigkeiten, da sie immer sehr klein schreibt, sodass man es nicht mehr entziffern kann. Daher übe ich mit ihr zurzeit einzelne Buchstaben, leserlich zu schreiben und anschließend ganze Wörter.
Dann haben wir hier noch einen Schüler, der mir vom ersten Tag sehr sympathisch war. Er macht nur Blödsinn, kann aber auch super lieb sein und hat eine wahnsinnig ansteckende Lache. Der Bursche hats jeder noch leicht. Er trägt eine Schiene am Bein, da er Schmerzen beim Strecken hat. Da er nur eine Schiene besitzt, beide Beine aber betroffen sind, muss er diese täglich mehrmals wechseln. Durch eine misslungene Operation am Knie hat er seitdem starke Schmerzen. Insgesamt hatte er 4 Operationen und keine seine Füße nicht mal grade stellen. Medikamente gegen die Schmerzen bekommt er keine und eine weitere Operation ist nicht möglich. Leider bin ich keine Ärztin und auch keine Physiotherapeutin, jedoch kann ich wenigstens durch das bisschen Wissen an Physiotherapeutischen Möglichkeiten, welche ich aus der Ausbildung mitgenommen habe und durch seine Beschreibungen und Erzählungen ihn motivieren jeden Tag kleine Übungen zu machen, um wenigstens seine anderen Muskeln zu stärken. Da ich nicht allen Kinds auf einmal helfen kann, habe ich mir ein paar Schüler ausgesucht mit denen ich in Zukunft intensiv arbeiten werde um unsere minimal gesetzt Ziele Stück für Stück zu erreichen.

Die ganze Woche haben die Kids sich auf den Feiertag gefreut, blöd nur das wir am Freitag dann nirgendswo hingegangen sind, da dieses Event nach Nairobi verschoben wurde und wir da nicht mit den Schülern hin konnten. Ein kurzer Trauer Moment bei den Schülern und den Freiwilligen, da wir uns alle sehr drauf gefreut haben. Stattdessen haben wir den sonnigen Tag dafür genutzt uns zu entspannen, ein paar Kids saßen vor dem Fernseher, einige mit mir in der Sonne und haben gestrickt (blöd nur das ich nen bösen Sonnenbrand bekommen hab, sogar auf der Hand?!) und die anderen sind auf dem Hof rumgelaufen.

Da wir das Wochenende im Projekt schlafen wollten, aber am Wochenende wenigstens was machen wollten, haben wir uns so drauf gefreut heute den Tag über in Nairobi zu verbringen. Ich bin extra früh aufgestanden ( Naja ich war eh schon um halb 6 ohne Wecker wach),hab mich fertig gemacht und dann hat es angefangen in Strömen zu regnen. Wetterbericht gecheckt, überall Regen. Maaaaaan :( dabei wollten wir ganz viele coole Sachen in der Stadt machen… naja dann halt erst nächstes Wochenende, dafür sind wir dann hier bei uns in die Stadt gefahren und waren essen und sind rumgelaufen, ein wenig Abstand zur Arbeit, da wir hier ja 24/7 sind. Wir haben zwar nicht wirklich geregelte Arbeitszeiten, aber wir sind schließlich die ganze Zeit für die Kids da.


So jetzt wollte ich euch noch etwas über die momentane Situation in Kenia erzählen.
Vielleicht haben ja einige mitbekommen das Anfang August Wahlen in Kenia waren, aufgrund von Unstimmigkeiten, wurde vom Gericht entschieden das es Neuwahlen geben sollte, die eigentlich am 17. Oktober stattfinden sollten, dieser Termin wurde dann auf den 26. Oktober verschoben.
Anfangs schien die Situation noch ruhig, jedoch gerieten die anfangs ruhigen Demonstrationen außer Kontrolle und Tränengas wurde von der Polizei eingesetzt. Auch in Nairobi kamen dabei einige Menschen ums Leben. In Kisumu eine Großstadt in der Nähe vom Viktoria See kam es zu gewalttätigen Ausschreitungen, bei denen sogar die Wasserleitungen zerstört wurden.
Vor ein paar Tagen trat Odinga (einer der Kandidaten) zurück mit der Aussage, dass das Wahlsystem nicht geändert wurde und bei der Neuwahl wieder Unstimmigkeiten auftreten werden. Es stand bislang sogar nicht mal fest ob die Wahlen stattfinden oder nicht. Jetzt kam jedoch raus das die Wahlen auf jeden Fall stattfinden werden. Mal schauen was diesmal dabei raus kommt.
Aufgrund der Wahlen schließen die Schulen, sowie auch das Marianne Center am 25.10. damit die Schüler am Tag der Wahlen und auch die Tage danach sicher bei ihren Familien sind.
Ich werde daher die ganze nächste Woche bis wahrscheinlich Sonntag im Projekt bleiben, da uns auch ausdrücklich der Aufenthalt in Großstädten während dieser Zeit zu unserer Sicherheit untersagt ist.

Anderseits wird’s bestimmt auch ganz witzig, da unser Lieblingskollege die erste Ferienwoche Aufsicht im Projekt hat und wir dann ein paar Tage mit ihm hier sind. Dann gibt’s erstmal Nudeln mit Tomatensoße, den gigantischen Ofen können wir ausprobieren um Brot zu backen und die Zeit auch nutzen um ein paar Räume etwas freundlicher zu gestalten.
Sobald sich die Situation in der Stadt beruhigt hat, arbeiten wir voraussichtlich noch ein paar Tage in einem Projekt in Nairobi mit und dann geht es auch schon ins Work Camp nach Ahero am Viktoria See für 3 Wochen und dann stehen 4 Wochen Reisen an!  :D

Bis dahin, Cheerio.


















Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Mein erster Besuch aus der Heimat.